• ….von Alltagslandungen und himmlischen Momenten…

    Es gibt sie, diese Momente im Leben, in denen du seit Wochen innerlich platzt vor Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub und gefühlt kurz vor der Abfahrt ein Anruf alles wieder auf Null setzt. Alltagslandung in Form eines ziemlich harten Bauchplatschers. Während ich mich bereits gedanklich barfuß am Ostseestrand wandern sah und vom Picknick in den Dünen beim Sonnenuntergang träumte, war das Leben anderer Meinung und stornierte kurzerhand meine Urlaubspläne – Willkommen in der Realität!

    Gefühlte hundert Hirnwindungen, Tränen und Wutausbrüche später ist die Mutprobe angenommen und akzeptiert – und drei kalenderleere Wochen wollen neu gefüllt werden. Und da Badewannen für laufende 1,85m grundsätzlich kein Ersatz für die Ostsee sein können, spielt das Urlaubsleben nun an den Stränden von Ruwer, Nahe, Glan und Rhein – manchmal liegt das Schöne ja so Nahe!

    Und so will ich heute einfach danke sagen – all denen,

    …die mir in den vergangenen Tagen spontan die Tür geöffnet haben und Zeit geschenkt haben.

    …die meinen Briefkasten mit so vielen Gruß- und Segenswünschen für ein weiteres Lebensjahr gefüllt haben, angerufen haben und musikalische Grüße geschickt haben – ihr seid umwerfend!

    …die Rückenwind geschenkt haben und Gastfreundschaft ermöglicht haben.

    …die mit mir durch diese Tage gewandert und gepilgert sind.

    …von Herzen Dank!

    Rückblickend war die Mutprobe gar nicht so schlimm. Als neue Herausforderung hat sich eher die Unmöglichkeit etabliert, Eisdielen am Wegesrand zu ignorieren und daran vorbeizuspazieren. Aber: Es gäbe durchaus schlimmere Versuchungen! 😉

    gestrandetes maienkind

    zurückgespült

    ans ufer des alltags

    im kastanienblütenregen

    schickt der windhauch

    zärtliche sonnenküsse

    für den moment ist es genug

    nicht gut, nicht perfekt

    aber genug

    zum leben

    zum weitergehen

    zum himmel spüren

    Und so folgt hier ein Einblick in Urlaubstage der so ganz anderen Art:

    Ein unerwarteter musikverein’scher Polkaabend auf Balkonien in fremden Landen lässt die Gedanken zu der A-Hörnchen-Reihe eines gewissen Bergvolks wandern:

    An einem Sonnabend träumt der Franz auf der Vogelwiese seinen böhmischen Traum von den wir Musikanten und schiebt noch eine Gablonzer Perle Nummer 17 hinterher. Da kann die Rosamunde nur noch mit einem Gruß an Kiel zurückschauen und nimmt des Amboss’ Polka mit zum Stelldichein in Oberkrain. Da tuschlart der Walter, da bummerlt der Franz, es rundelt der Siegfried während der Kurt noch ne Runde Wein mit dem Franz auf der Vogelwiese gäbelt.

    Fazit: Wo Musik erklingt, ist das Herz zuhause!

    Preisfrage: Wie viele Polkae (latinum vivum ;)) haben sich hier versteckt? Bei kreativer postalischer Einsendung der Lösung wartet eine Überraschung auf!

    Ein Nachmittag an (in) der Nahe – und der Sommer hält Einzug!

    Gestärkt von Unmengen an Erdbeerkuchen und einem Kaffe geht’s auf zum Nahestrand – Schuhe und Strümpfe aus, die Steine unter den nackten Füßen spüren und barfuss ab ins Wasser! Mit geschlossenen Augen fühlt sich das fast wie Ostsee an. Der Sommer kann kommen, ob mit Pipapa oder ohne, ich bin bereit!

    Auf Spurensuche in Mainz zwischen jüdischen Grundsteinen und dem Hier und heute wartet Herr Chagall mit einer äußerst blauen Stunde über den Dächern von Mainz auf – Atemholen und Durchatmen an einem solch heißen Fast-Sommertag! Inmitten von Blautönenspielen kommen Körper und Geist zur Ruhe, wandert der Blick durch die Zeitfenster zu den eigenen Wurzeln himmelwärts und leiser Engelklang wird hörbar.

    Und auf dem Weg zur Synagoge gilt ein schattiger Gruß dem Vater Rhein, während Mutter Courage mir ihre eindeutige Botschaft hinterherruft: Pace e bene, Frieden und Heil – so sei es!

    Und das Beste kommt zum Schluss: Pilgertage auf dem Rheingauer Klostersteig

    Lehnt euch in eurer imaginären Hängematte zurück, schnappt euch einen Keks (denn Kekse gehen immer) und ein Getränk eurer Wahl und kommt mit auf eine Pilgerreise der ganz besonderen Art:

    Es war einmal eine kleine, sehr lebendige Pilgerguppe irgendwo zwischen 1,65m und gefühlten 2m Pilgerlänge, die aus den eifelaner Hitzen eines unbeschreiblichen Sommermärchens hervorging und seit dem um immer wieder neue Pilger*innen heranwuchs. Auf Wunsch einer Einzelnen à la „Da könnte man ja auch mal noch pilgern“ begab sich das Kellenbacher Orgateam auf Vortour, begutachtete Klöster und Herbergen und fand jedes Postkartenlädchen in den versteckten Winkelgassen von Eltville. Und so sollte es an jenem Maienwochenende sein, dass sich die lebendige Pilgerguppe auf den Weg ins Rheingau machte und selbst noch Platz für ein gestrandetes Maienkind hatte, das da doch mitgeHOLT werden wollte.

    Inmitten des abgeschiedenen Tals, eingebettet in den Wäldern des Taunus, begann ihr Pilgerweg am Kloster Eberbach, das heute den mehr oder weniger monastischen Weinstein zurückliegender Jahrhunderte atmet. Nachdem sie den Namen der Rose abermals nicht gefunden hatten, zogen sie nach einer Umrundung des Klosters gesegnet den Steig hinauf und suchten derweil nach einer Antwort auf die Frage, ob Rhabarber nun denn reif sein kann oder nicht.

    Frau Delbrêl unterbrach ihre Rhabarberfragen und lud sie ein, ein Stück des Weges mit ihnen im Schweigen zu laufen, vorbei an weißen Rotzlingen und pappigen Hopflingen. In der Glut der vormittäglichen Hitze erklommen die Pilger*innen sodenn die Hallgartener Zange um sich anschließend unter den Dächern des himmlisch grünen Blätterdaches ihrer ersten Mittagspause zu widmen…..darauf noch einen Keks!

    Beschwingt führte der Weg sie von nun an bergab durch das Pfingstbachtal, vorbei an großen und kleinen Wundern, zum Ruheplatz am Fischweiher – ganz gemäß dem Psalm 23. Wäre da nicht der Freischneider gewesen (der übrigens nicht Teil des Psalms ist), der ihr Ruhepäuschen unsanft unterbrach und zum Aufbruch rief. Doch bevor der Rucksack wieder sein Plätzchen auf dem Rücken fand, erfolgte noch eine kleine biologische Freiluftstunde zwischen Kaulquappen und Libellen und einigen Hypothesen ob des Gehölz, das da mehr oder weniger unbewohnt im Weiher schwomm.

    Alsbald führte der Weg – wie könnte es auch anders sein – wieder durch den Wald hinauf, Wegschilder suchend und findend, hinaus in die Wingert. Hier eröffnete sich der lebendigen Pilgergruppe ein unglaublicher Weitblick über den Rheingau bis nach Rheinhessen, wobei einen der Pilgernden spätestens dort die heimatlichen Gefilde übermannten. Und schon leuchtete am Ende des Weges die Rosengasse auf, die den Pilgernden für eine Nacht Herberge bieten wollte. Den Rucksack kaum abgestellt, rief Wien auch schon zum Nachmittagscafé – natürlich standesgemäß mit einer Melange aus Erdbeerkuchen und anderen kalorienhaltigen Lebensfreuden.

    Aus der Zeit der Wiener Klassik zog der Pilgerstrom weiter und war für kurze Zeit zu Gast bei Hof im Schloss Johannisberg – inmitten adrett-schwarz-weiß-grau gekleideter smarter Menschen mit großen Autos setzen die Pilger*innen per pedes mit ihrer bunten Wanderkleidung die passenden Farbtupfer ins höfische Landschaftsbild. Nach dem Besuch einer romanisch-heimatlich einfachen Schlosskapelle wähnte sich manch eine schon fast in Burgund.

    Nach einem Gruß an den Chef, die liew Mamm und die entzückende Orgel rief ein Gläschen Sekt im Wingert und läutete den außerordentlichen Pilgerfestabend ein, der wenig später seinen fulminanten Ausklang auf der Terrasse mit Blaubeerpfannkuchen unter Palmen im Sonnenuntergang fand. So manche Raumwunderfrage blieb auch an diesem Abend ungelöst – und so folgten die Pilger*innen der rhoihessischen Bibelübersetzung: „Stei uff, nemm die Madratz unn geh hoam!“ Gute Nacht!

    Der Kaffeeduft des anbrechenden neuen Tags führte die Pilgernden aus ihren Matratzenlagern wieder zusammen. Gestärkt verließen sie ihre Rosengasse und begaben sich im Sonnenschein des sonntäglichen Ostertags auf Wanderschaft. Mit einer frisch gepflückten Kirsche als Wegzehrung erreichten sie alsbald ihr erstes Tagesziel und nahmen Platz in Marienthal. Nach einem Orgelaufspiel der feinsten Art wurden sie etwas unfreiwillig verstrickt in mittelalterlich-verfahrene Frauenfragen, die keine synodale Lösung im 21. Jahrhundert erwarten ließen. Und so verließen sie – ganz franziskanisch – vorbei an der Institution das Tal und begaben sich auf die Suche nach dem Frieden, den der Herr ihnen versprochen hatte.

    Die Nothgottes hatte Erbarmen mit ihnen und schenkte ihnen nach gefundenem Stempelkissen einen Mittagspausenplatz im Schatten des Klostergartens, der überaus angefüllt war mit gummi-bärchenhaften Glücksgefühlen. Und immer wieder war ein seufzend-frohes „Was GEHT es uns so gut!“ unter ihnen zu hören. Die Mittagssonne plädierte für eine Abkürzung, die es überraschungshaft in sich hatte und für ganz neue Perspektiven sorgte.

    Mit dem Gesang der Hildegard führte der Weg die Pilgernden sodann an ihr Ziel in Marienhausen, wo sie mit offenen Armen dessen empfangen wurden, der einfach so beschloss, immer da zu sein. Und so fanden sie ihr Pilgerkreuz, staunten über das, was da geschehen in diesen Tagen, fanden ein Stück des Friedens und des Himmels in ihren Herzen und dankten Gott mit Musik und Gesang.

    Christusfigur in der Marienkirche in Aulhausen

    Ein wahrhaftiger Schlüsselmoment beendete ihren Besuch. Nach einer telefonischen Geburtstagspolonaise führte der Weg die Pilger*innen ein letztes Mal über Stock und Stein zurück an des Vater Rheins Bett, der sie wiederholt zu Tisch bat – denn wer pilgert, kann was erleben und hat was zu erzählen! Grâce à Dieu et merci beaucoup! Schalom!

    In diesen Pilger- und Urlaubstagen habe ich den Himmel nicht nur gesehen, sondern auch geschmeckt, gespürt, ersehnt und erlebt.

    ….und wo fängt dein Himmel an?

    Schalom! Sucht und findet den Himmel und bleibt dem Leben verbunden!

    Judith

  • Der Mai ist gekommen!

    Auf dem Pfälzer Weinsteig bei Dörrenbach

    …. und hat sein schönstes Grünkleid angezogen und damit den Frühlingsreigen eröffnet und die Welt zum Lebenstänzchen aufgefordert. Welch eine Maienwonne im ach so schönsten Monat des Jahres! Das Dorkind lächelt innerlich über so „naumoudisch Geschier“ wie Waldbaden – hat es das doch zur genüge und von Grund auf seit frühen Kindesbeinen an genossen.

    Nach fünf Tagen Pilgerzeit im Pfälzerwald sitze ich nun ziemlich glückssatt, grüntrunken und zeitvergessen auf Balkonien, schaue den frisch gewaschenen Wanderklamotten auf der Leine zu wie der Wind sie in wehenden Fahnen trocken bläst, genieße noch die wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht und lasse die Tage in mir nachklingen. Zeit zum Dasein, zum Wandeln (in mehrerlei Hinsicht), zum Genießen, zum Schweigen, zum Lachen, zum miteinander Leben teilen, zum so viel mehr neigen sich ihrem Ende zu. Rundum: Tiefe Dankbarkeit und innere Freude, die Füße spüren ihre gelaufenen Kilometer der vergangenen Tage und das Herz tanzt – Merci et Schalom!

    Doch zurück zum Mai:

    Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass das Wörtchen „maijen gehen“ mit absolut kindlicher Gewissheit von dem Monat Mai abstammen muss (von wo auch sonst?) und in diesem Monat besonders zelebriert wird.

    [Für alle des lieben Moselfränkischen nicht ganz so sattel-festen Wortforscher*innen: „Maijen gehen“ ist typisch Dorf; übersetzt heißt es in etwa so viel wie der Nachbarschaft einen Besuch abstatten und ein Schwätzchen halten gehen, das in gewohnter Manier auch mal was länger dauern kann, je nach Einwohnerzahl des Dorfes gibt es schließlich auch mehr oder weniger viel zu berichten.]

    Mal ganz abgesehen davon, ob dieser Kindermund nun wirklich Recht hat oder nicht – Maijen und Pilgern gehen ist auf jeden Fall eine kaum zu übertreffende Kombination – zu mal dann, wenn sich per se der Kreis über die Dorfgrenzen hinaus weitet und die Welt unter den Füßen zu Gast in Herz und Kopf ist. Die vergangenen Pilgertage haben dies wieder mal bestätigt.

    erdenverbunden

    himmelsverliebt

    zeitvergessen

    suche ich den himmel

    sehne ich den himmel

    finde ich den himmel

    über dir und mir

    zwischen dir und mir

    in dir und mir

    …und dann gab es da ja auch noch mehr oder weniger österliche Lebensschritte in den vergangenen Wochen – meine persönlichen #Lebenszeichen:

    Der Ostersamstag läutet alljährlich das Ende der Fastenzeit ein. Und was tut frau da? Rischtisch! Per pedes geht’s im Sonnenschein ins Städtschie – zu Gast dahemm bei Elisabeth auf ein Eis mit Herrn Ghandi! Nach sieben Wochen fast zuckerfreier Zone ein wahres Geschmacksfeuerwerk in der Mundhöhle!

    Das musikalische Feuerwerk zu Ostern blieb leider aus: Wenn frau eher zufällig im Osterhochamt landet, das durch und durch von lateinischem Choral geprägt ist. Uff! Einen Versuch war’s wert. Der letzte Neumenkurs ist schon ein Weilchen her – und zum Glück hängt die Auferstehung des Herrn ja nicht von meinen Choralkünsten ab. An meine lieben C-Kurs’ler: Schmetterlingshaft war dieser Gesang nicht – und den Fisch hab ich nur dezent nach oben gezogen. Ich entschuldige mich hiermit in voller Form 🙂

    Ostereiersuche mit Klein-Patenkind – die war so erfolgreich, dass anschließend wirklich kein Ei mehr auf weiter Flur zu finden war. Da hat die Patentante nun ernsthaft Konkurrenz, vor allem in Sachen ich-hol-mir-noch-ein-Nougatei. Im Übrigen: Obacht beim Tragen – fällt das Körbchen auf die Erde, hat die Oma ungewollt Eiersalat.

    Ostermontag und ein Emmausgang der etwas anderen Art – auf geht’s zur Pilgervortour in die Pfalz!

    Hier ein kleiner, aber feiner Einblick in drei ver-rückte Tage:

    • Eine Zugfahrt, die ist lustig…. Nicht zu fassen, dass es Menschen gibt, die einen einstündigen Vortrag über wie-lebt-meine-Katze-zuhause-und-wie-habt-ihr-sie-zu-füttern-wenn-ich-weg-bin halten können. Immerhin weiß ich jetzt, dass Minka Nassfutter mehr liebt als Trockenfutter und in welchem Küchenfach das auserlesene Leckerli in diversen Variationen steht. Und das früh morgens auf fast nüchternen Magen – Mahlzeit!
    • Finde den Weg: Wenn die Wanderkarte mal wieder was anderes anzeigt als die App und der Kopf mit dem vorhandenen Orientierungssinn noch ne ganz andere Richtung vorschlägt, hilft nur eins: Ab durch die Hecke! By the way: Ist ein Pfosten mit vielen Wegweisern drauf eigentlich ein Vollpfosten?
    • Katzeneichen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und der Abtskopf erst! Im düsteren Unterholz geht’s ewig lang bergauf und ist frau dann endlich oben angekommen, hat es noch nicht mal Aussicht dort oben….definitiv kein Platz in den Top Five der Wanderrouten! Dann lasst uns lieber sterntalern.
    • Willkommen in der Ferienwohnung, Abkühlungspunkt im Dachgeschoss – und ein Pfälzer Sprachkurs inklusive. Sogar mit Überlänge. Und hängender Wiederholungstaste. Aber lernfähig und horizonterweiternd. Und so ne ganz neue Sprachkultur. Des isch was…..
    • Fällt ein Baum ein paar Meter vor dir um….Herzrasen! Es gibt Erfahrungen, die brauchst du auch nur einmal im Leben – Ein Sprung ins kalte Wasser wäre die liebere Option gewesen.

    Und zu guter Letzt: Eine Maitour durch die Teufelsschlucht

    Frau will ja vorbereitet ins Pilgern starten – und wie!

    • Steht mitten in der Schlucht eine Französin mit quietschpinken Flipflops – wie die bis dahin gekommen ist ohne sich die Haxen zu brechen, will frau gar nicht wissen.
    • Drei Holländer auf der Überholspur – dumm nur, wenn man nach der Abkürzung oben in die falsche Richtung abbiegt, den Berg wieder runterläuft und kurze Zeit später wieder auf die trifft, die man da gerade überholt hat…..Kreislauf?
    • Darauf täterätäte das luxemburgische Nachbarvölkchen antworten: Dat ass an der Rei!

    Alles in allem: Wandern im Herzen Europas!

    Darauf kann es nur eine Antwort geben: Eis! Das ist nach gefühlt 3845 Treppenstufen auch hart erwandert.

    Wie dem auch sei: #Lebenszeichen! Und die Osterzeit hat gerade mal Halbzeit – welche Aussichten da noch ins Haus stehen! Auf geht’s! 🙂

    Und wie immer gilt:

    • Nach dem Pilgern ist vor dem Pilgern.
    • Zusammen ist man weniger allein.
    • Schweigen ist auch eine Form von Reden.
    • Ein gepackter Rucksack lässt jede Vorfreude noch um mindestens zwei weitere Stufen wachsen.
    • Eingelaufene Wanderschuhe verleihen den Füßen Flügel.
    • Wagemut und Zuversicht wachsen erst im Gehen und sind manchmal langsamer als dein Kopf.
    • Gut, wenn der Kopf mal Pause macht und der Herzschlag die innere Führung übernimmt.
    • Und zuletzt: Mit einem erwartungs-vollen Briefkasten voller Postkarten und Briefe lässt es sich bei der Heimkehr besser im Alltag landen.

    bleib verrückt. Diesen Postkartenwunsch werde ich mir zu Herzen nehmen und meinem Lockenkopf und den noch etwas lädierten Lungenflügeln eine Auszeit gönnen – fernab von Bildschirm und Alltagstrott.

    Taucht ab ins Maiengrün, bleibt wohlauf und dem Leben verbunden! Auf bald et au revoir! Schalom!

    Judith

  • … #Lebenszeichen!

    Magnolien im Trierer Palastgarten

    Auch die unbequemste Quarantäne hat im Ungedulds-Status irgendwann ein Ende – dem Himmel sei Dank! Der erste nach-Corona-Spaziergang draußen in der Frühlingssonne? Feels like heaven – Ein Aufatmen mit allen Sinnen!

    Kaum zu glauben, was die Natur da während meiner Quarantäne an neuen Farbsinfonien, Frühlingsdüften und Sinnenweiden geschaffen hat. Nach einer Woche Innenleben (kann frau jetzt so oder so verstehen) ist das erste Bad in der Sonne ein voller Genuss, das Moos fühlt sich fluffig weich an, die ersten grünen Blätter so wunderbar zart und das Wasser der dahinplätschernden Ruwer bietet dazu die passende wassermusikalische Umrahmung. #Lebenszeichen!

    Nur mein inneres Walross hat noch nicht wirklich mehr Wasser unterm Kiel ähm unter den Füßen. Flossen meinte ich natürlich. Okay, okay – vielleicht hat sich der Walross-Status schon Richtung Schildkröte weiterentwickelt. Gefühlt so ein klitzekleines bisschen. Insgesamt komme ich mir aber eher vor, als würde ich beim Wettkriechen „Tempo, kleine Schnecke“ mitmachen und da der Fairness halber und sowieso überhaupt die Teilnehmer*innenurkunde nach Hause tragen. Gemäß dem Motto „Dabeisein ist alles“. Wenn da mal nicht Erinnerungen an so manches Schulsportfest hoch kommen….

    Inneres Pulsbeben…

    Der Gang zum Testzentrum in Sachen „ich-brauche-da-mal-noch-was-Offizielles“ lässt den Puls und die Herzbebenfrequenz dann nochmal rasant ansteigen und ist mit einer mittelprächtigen 15minütigen Aufregung verbunden. Tiiiiief durchatmen! Und irgendwann dann auch nochmal mindestens genauso tief ausatmen. Sonst wird’s eng. Ich kann Euch sagen: So ein negatives Testergebnis ist schon was Feines!

    Im Himmelsblütenrosameer abgetaucht…

    Das will gefeiert werden! Und wohin geht die Reise? Natürlich zuerst ins Postlädchen! Der Briefmarkenvorrat will nach gefühlten Ewigkeiten ja wieder aufgefüllt werden, damit die Schreibstunden auf Balkonien den Brieftauben neue Flugstunden bescheren.

    … und dann wartet der Magnolienhain! 🙂

    Ich kann mich an diesen wunderbaren Blüten einfach nicht satt sehen und freue mich jedes Jahr so sehr darauf und daran! Gefühlt fängt dann der Frühling so richtig an. Nach so viel Quarantäne ist ein Spaziergang unter strahlend tiefblauem Himmel unter dem Magnolienhimmelsblütenrosameer ein Segen. Ungefähr so muss sich der Himmel anfühlen. #Lebenszeichen!

    grüne Bergfesthüttentischmomente…

    Während der Telefonakku sich nun endlich sein wohlverdientes Ruhepäuschen gönnen darf, genieße ich es in vollen Zügen, wieder mit anderen am Tisch sitzen zu dürfen und gemeinsam zu essen, zu lachen, Wanderkarten auf den Kopf zu stellen und am Abend fröhlich und gelassen auf ein Küchenchaos zu blicken, das es absolut wert war. Und da große Wanderungen mit dem derzeitigen Stand meiner Lungenflügel noch nicht möglich sind, ist Gedankenwandern auch fast wie Wandern. Spinatknödel mit viel Soße trösten über die ausgefallene Vortour im Pfälzer Wald hinweg. Immerhin lässt das Grün schon mal eine Ahnung von Wald in mir aufsteigen. Und Spinatknödel schmecken per se sowieso immer schon ein bisschen nach Bergfest, Höhenluft und Hüttenankunft. Es kann also nur weiterGEHEN. Und wenn der Saharastaub schon so weit reist in diesen Tagen, gibt das doch allen Ansporn, auch wieder auf die Beine zu kommen! Im wahrsten Sinne des Wortes.

    ….Schneetiefer Winterabstecher….

    Und während ich gedanklich schon auf Wanderrucksackpilgerwegen im Sonnenschein unterwegs bin, kommt Petrus doch allen Ernstes auf die Idee, noch einmal die schneebeladene Winterwolkenkiste auszupacken. Das mit der Zeitumstellung ist in den unteren Himmelsetagen wohl nicht angekommen…. Also wird aus einer Frühlingswanderung eine unverhoffte Schneewanderung mit ordentlich Schneeknirschen unter den Füßen, stiller Eifellandschaft und fröhlich-frostig-kalten roten Pausbäckchen… was da wohl der Esel gedacht hat?

    …und sonst so?

    • Das erste Mal einkaufen und frau bemerkt schon nach der zweiten Supermarktregalreihe, dass der Adapter zur Welt irgendwie abhanden gekommen ist. Was um Himmels willen macht ein Menschenkind mit 10 Päckchen Mehl und gefühlten 23 Litern Speiseöl zuhause? Also, Ideen habe ich dazu schon im Köpfchen, aber mal ehrlich…..so viel Kuchen willst und kannst du gar nicht essen!
    • Die erste musikverein’sche Probe gleicht eher einer Lungenbläschenhochleistungsstunde. Puuuuuuh. Ich weiß ja, dass die schwarzen Balken mit den vielen Fähnchen auf dem manchmal nur noch wenig erkennbar weißen Hintergrund schon mal eine Herausforderung sind. Aber heute: Hallo, Kreislaufn, jemand ze hage?
    • Vielleicht ist das Köpfchen aber auch einfach denkmüde und langsam geworden nach so viel Tohuwabohu im großen und kleinen Weltengeschehen. Da verpasst eine Fortbildung in Sachen barrierefreie inklusive Öffentlichkeitsarbeit dem Ganzen noch das letzte I-Tüpfelchen für die Woche. Fazit: Die eigentliche Barriere ist wohl eher mein Köpfchen. In Sachen Technik, Hilfsmittel und Programmierung muss frau auch nicht alles wissen…. ich plädiere für eine unterstützende Kommunikation!
    • Denkmüde waren die Bürokolleg*innen jedenfalls nicht. Danke, dass die Pflanzen ohne Durststrecke durch die vergangenen Wochen gekommen sind!
    • Synagogen-Hopping der besonderen Art: 3 Tage, 3 Synagogen, 3 Begegnungen im deutsch-luxemburgischen-südeifeleranisch-moselländlichen Takt. Und wenn frau dann noch ein Abend mit Klezmermusik und Herzensverbundenheit in die Ukraine geschenkt wird – wo, wenn nicht hier, berühren sich Geschichte und Gegenwart, Tradition und Heute und münden in einen (musikalischen) Weltenklang?
    • … darauf noch ein Kleeblatttreffen in bekannt wirrer Manier und Gartenfreuden mit Klein-Patenkind! #Lebenszeichen!

    Und dann waren sie auch schon rum, die sieben Wochen von Aschermittwoch an. Auf der Suche nach #Lebenszeichen hat die Hoffnung mal mehr, mal weniger Höhenflüge gemacht und die Freude sich zwischen Briefkasteninnenleben und Klaviertasten ausgetobt. Die Stärke wurde nicht nur in der Küchenschublade gesichtet und auch Licht war zu finden, wenn die Sonne auf Abwegen war. Die zögerliche Zuversicht will täglich neu betüdelt werden und braucht morgens nach dem Aufstehen besonderen Zuspruch, damit sie mit dem Vertrauen Hand in Hand durch den neuen Tag wandern kann. Und die Furcht? Auch die klopft immer mal wieder an der Haustür an und schaut auf einen Kurzbesuch vorbei. Alles wohl irgendwie Leben. Und inmitten dieser #Lebenszeichen steht dann auf einmal der Gründonnerstag morgens im Türrahmen, lächelt dich fröhlich an und sagt: Hier bin ich!

    Gründonnerstag.

    Was bietet sich da wohl Schöneres an, als auf eine liebe Einladung hin draußen durch den Lebensgarten zu wandeln und sich einfach mittendrin auf einer Wiese niederzulassen und gemeinsam zu picknicken? So am liebsten nach Mittag. Mit Blick in die Weiten des Tals und über die umliegenden Höhenzüge. Im leichten Wind, der mit den Locken spielt und bei Sonnenstrahlen, die die Haut aus dem Winterschlaf wachkitzeln und dir am nächsten Morgen eine rötliche Erinnerung an den ach so grünen Donnerstag schenken. Umgeben von bienenhummeligem Gesumme und schmetterlingshaften Blütentänzchen. Inmitten einer Landschaft, in der Gott unendlich weltvergessen und ziemlich großzügig Liebesschöpfungsküsse verteilt hat. Falls Gott Lippenstift trägt, ist sein Farbgeschmack auf jeden Fall rot-rosa-gelb-grün-weiß-blau-lebensverbunden-farbecht. Und die Küsse schmecken eindeutig nach Sommerwiesenblütentee und Zuckerstreusel.

    „Ich habe euch ein Beispiel gegeben.“

    „Teil dein Brot und deine Lebenskraft, dein Herzblut schenke um der Liebe willen.“*

    Ungefähr so. Anfanghaft. Erdverbundene Himmelsgedanken, die im Dasitzen und Wandern, beim Teilen und Essen von Hefehäschen, Möhren und Klappschmieren, im Zuhören und Antwortenfinden sich irgendwo zwischen Erde und Himmel ausspannen und Verbundenheit schenken. Aufatmen. Durchatmen. Danke sagen. Fühlt sich gut an. #Lebenszeichen.

    Karfreitag.

    Der Chef und ich haben Verständigungsprobleme. Schon was länger, so mindestens sieben Wochen lang. Abends beim Blick in die Nachrichten führen wir die meisten Diskussionen. Streiten manchmal. Oder schweigen uns an. Heute erst recht. Ich bin müde, fühle mich erschöpft. Ich will nicht mehr diskutieren oder zum 593. Mal die Frage nach dem Warum stellen.

    Anna. Oleg. Julija. Aleksij – heute denke ich besonders an sie. Ich frage mich, ob es gerecht ist, dass ich hier mit meiner Teetasse sitze und auf das ruhige Ruwertal schaue, es mir eigentlich gut geht und gerade an nichts fehlt. Außer – und zwar ziemlich außer – an Frieden, auch in mir drin.

    Und dann werde ich wieder wütend und weine. Ich will die Welt nicht diesen Toaperten überlassen. Stammele und stottere hier rum mit dem Gefühl, trotz eines laufenden Meter 85 so klein und ohnmächtig zu sein. Und ich weiß nicht, wohin mit meinen Fragen, meiner Wut, meiner Ungeduld….es muss doch Anderes möglich sein!

    Ich denke an den, der vor 2.000 Jahren ähnliche Gedankenwirrungen hatte. Dem das, was er gesehen hat, nicht genug war. Der gefragt und hinterfragt hat, der angefragt und hinterfragt wurde. Der in allem Tohuwabohu die Hoffnung nicht aufgegeben hat, der trotz allem Hände zur Versöhnung ausgestreckt hat und eine andere Welt für möglich gehalten hat. Und deshalb von Hoffnung, Liebe, Solidarität, Frieden und Gerechtigkeit erzählt hat. Und auch Elend, Verzweiflung, Angst, Scheitern, Ohnmacht rausgeschrien hat. Trotzdem-Hoffnung?

    „Auf dich hab ich….du würdest mich nie…du nicht… Ich lege die Zukunft in deine Hände.“*

    Karsamstag…

    Der hängt irgendwo zwischen den Welten. Im Dazwischen. Da fühle ich mich derzeit auch öfter zuhause. In der Schwebe. Mit mehr Fragen als Antworten im Kopf. Zwischen dem Alten und Gewohnten und dem, was ich noch nicht richtig sehen und begreifen kann. Eine leise Ahnung des Anderen ist da. Gepaart mit einer großen Sehnsucht nach Lebendigkeit. Nach Gerechtigkeit, Frieden, Wandlung.

    … Richtung Ostermorgen

    „Er, den ihr sucht, er ist nicht hier!“*

    Nicht hier. Zumindest nicht dort, wo ich denke. Nicht nach meinen Vorstellungen. Prinzipien und Denkmuster durchbrechend. Welten verwandelnd. Heißt aber auch: Anderes ist möglich! Anders glauben. Anders hoffen. Anders lieben. Anders denken. Anders handeln. Anders leben. Trotzdem. Oder erst recht. Aufstehen. Auferstehen. #Lebenszeichen.

    „Du, der uns für das Licht gemacht hat,
    dass wir leben – und der Tod wird nicht mehr sein.“*

    LEBEN! Heute schon. Trotzdem. Jetzt erst recht. Los geht’s!

    Ich wünsche Euch hoffnungsfrohe und lebendige Ostertage – bleibt wohlauf und dem Leben verbunden!

    Judith

    *Die Texte stammen von Huub Oosterhuis.

  • … auf der Suche nach Lebenszeichen …

    Drei, zwei, eins und Tadaaaa! Jackpot Corona – Herzlichen Glückwunsch! Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch ich an der Reihe bin.

    Nun ist es also soweit. Seit nunmehr einer Woche sitze ich mit meinem positiven Testergebnis hier in meinen vier Wänden und befinde mich im Quarantäne-Status. Wie hat mein großes Patenkind es mit Blick nach draußen so schön auf den Punkt gebracht: „Eine bessere Woche hättest du dir auch nicht aussuchen können!“ Natürlich nicht. Ich hab‘ gleich den Fortgeschrittenenkurs gewählt, Quarantäne bei Regenwetter kann ja jede*r. Wat willste machen? Da kannste nix machen!

    Nun sitze ich auf Balkonien in der Sonne, um mich her brummt und summt es fröhlich, Traubenhyazinthe und Co. tragen ihr schönstes Frühlingskleid und mein Blick schweift über den Radweg Richtung Ruwer und Wald, der sich gerade täglich in neuen Farben präsentiert. Die beste Zeit also, um eine neue lebens.verbunden-Post in die Welt zu schicken!

    Corona-Tagebuch, Tag 1:

    Ich fühle mich ungefähr wie ein Walross auf dem Trockenen. Also, ich habe noch nie (bewusst) ein Walross getroffen und es auch nicht gefragt, wie es sich anfühlt, ein Walross zu sein. Aber in meiner Vorstellung muss man sich ungefähr so fühlen als Walross auf dem Trockenen: Müde, unbewegt, träge, einfach puuuuuuh. Luft raus und nach der kleinsten Bewegung schon wieder müde. Nach zwei Tagen zwischen Sofambique und Bettanien hat neben meinen Knochen vor allem mein inneres Jojo beschlossen, dass es jetzt mal reicht mit der Rumliegerei. Während mein Körper sich in Ruhe übte (oder zumindest versuchte, dies zu tun), lief mein Köpfchen derweil auf Hochtouren: Wo habe ich mich angesteckt? Wen habe ich alles getroffen? Hoffentlich meldet sich niemanden und ich habe das Virus nicht weiterverteilt…. Nach Tag sieben hat sich (Gott sei Dank!) weder der ganze Musikverein noch die familiäre Nachbarschaft infiziert. Aufatmen!

    Im Corona-Status werden die Tage relativ, der Kalender schafft den Weg gar nicht mehr bis auf den Tisch und ich befinde mich gefühlt zwischen den Welten. Und so verschwimmen auch die Erinnerungen an die einzelnen Tage und werden zu einer großen Quarantäne-ich-erzähle-dir-meine-Best-of-Erkenntnisse-der-vergangenen 2-6 Tage:

    • Die Nase läuft, ansonsten läuft’s hier auch – soweit es sich eben auf den Quadratmetern dieser Wohnung laufen lässt. Meine Fußspuren haben sich in den vergangenen Tagen gefühlt noch 2 cm tiefer in den Holzboden eingespurt.
    • Wenn pünktlich zur Quarantäne neue Postkarten eintrudeln und sich zumindest das innere Bergpanorama-Fenster öffnet – als ob sie’s geahnt hätten!
    • So viele Care-Pakete vor der Tür und so viele handgeschriebene Zeilen im Briefkasten – ein Geschenk! Ich persönlich finde ja, dass Naturalien und Postkarten wirklich Zukunft haben …. also wirklich wirklich.
    • Die Tee-Sorten im hauseigenen Sortiment hätte ich dann auch alle mehrmals durchprobiert. Die Steigerung von Fencheltee hin zu Kräuter- und Früchtetee ist eine echt positive Entwicklung. (Kann man das Wörtchen „positiv“ eigentlich noch so einfach benutzen?)
    • Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Schwickerath – zurzeit mal gerade gar nicht. Die Erfahrung, dass sich der Erdball auch ohne mich weiterdreht, ist durchaus heilsam. Insbesondere was das sonstige Arbeitspensum angeht.
    • Trotz aller Verbundenheit zu den Menschen in der Ukraine, gehen Nachrichten im Quarantäne-Status in nur noch dosierterer Form.
    • Aus einem Berg von Konjunktiv „ich könnte, würde, sollte, müsste….“ ist nur bedingte Realität geworden. Es gibt einfach Dinge, die machen wenig Freude, Corona hin oder her. Putzen zum Beispiel. Oder Steuererklärung.
    • Schubladen öffnen und den Inhalt sortieren ist wie auf Schatzsuche gehen. Ein Hausflohmarkt wäre durchaus eine Option. Demnächst mehr dazu. Die Schublade dann wieder zu schließen (und ohne Probleme zuzubekommen!) ist ganz was Feines.
    • Zumindest das Projekt Fensterputzen ist vollständig abgeschlossen. Wenn ich schon die meiste Zeit drinnen sitze, muss der Blick nach draußen nicht noch verklärter sein als eh schon.
    • So ein Telefonakku muss sich in Quarantänezeiten echt beweisen. Stiftung Judith-Test: Ansiedlung eher im semi-Bereich. So viel telefoniert wie in den vergangenen Tagen habe ich gefühlt seit Ewigkeiten nicht mehr.
    • Den Bewohner*innen meiner Insektenhotels sind die Abstandsregeln ziemlich egal. Wie schön, dass sie mir Gesellschaft leisten – ihr Summen ist die reinste Musiktherapie in diesen verrückten Tagen!
    • Auf Abstand geht die Wollmausparade übrigens auch nicht. Kaum sind die ersten Sonnentage da, bahnt sich die Polonaise durch’s Wohnzimmer, ganz verliebt in gestrickte Socken. Die Schnapsidee, mit ihnen Gassi zu gehen oder sie einem Dompteurversuch zu unterwerfen, hat der Staubsauger dann ganz schnell für beendet erklärt. Auch gut. Die nächsten Wollmäuse werden zeitnah einziehen, da habe ich keine Sorge!
    • Es wird Zeit für ein Leben ohne Jogginghose – pack die Wanderhose ein! Morgen. Oder Übermorgen. Eher Überüberüberübermorgen.
    • Kochen in Quarantäne-Zeiten oder die Frage, was gibt der Kühlschrank her und welche gewagte Kombination geht heute noch? Ich sage euch: Da kommen Dinge zusammen, die ich in anderen Zeiten nicht zusammen in den Kochtopf oder den Backofen gesteckt hätte….kann was!
    • Ein fulminanter kulinarischer Lichtblick der Woche: Die Biokiste! Ich freue mich Woche für Woche an dieser Kiste, aber diese Woche hat mich die Kiste dann endgültig zu einem Balkontänzchen herausgefordert. Merci!
    • Auf den letzten Metern gilt meine aktuelle Quarantänesorge eher der Frage, ob die Briefmarken bis Sonntag ausreichen werden.
    • Gemeinsame Videokonferenz-Corona-Frühstücke, so von Quarantäne zu Quarantäne, sind auch mal ein Start in den Tag. Wie schade, dass die Durchreiche durch den Bildschirm noch nicht funktioniert.
    • Des Abends nach 19 Uhr auf dem Weg durch die Ruwertaler Straßen zum Briefkasten, wenn die Straßen leer und die TV-Bildschirme flackern – meine ganz persönliche heute-Show.
    • Während da draußen das Hamstern wohl mal wieder um sich greift, sitzt mein Corona-Hamster noch auf Balkonien und erwacht nur langsam aus dem Winterschlaf. Mal schauen, welcher Welt ich da nächste Woche begegnen werde, wenn ich wieder rauskomme.
    • … Schlaf wäre durchaus mal eine wunderbare Alternative!

    Status heute, Tag 7:

    Ich fühle mich immer noch ein bisschen wie ein Walross, aber eher wie ein Walross, dessen Schwanzflosse schon wieder Wasser spürt. Es geht bergauf!

    Freitesten? Wohl eher nicht. Wer den Fortgeschrittenenkurs gebucht hat, kann auch gleich noch die Verlängerung mitnehmen. Wie in einem schlechten Fußballspiel. Darauf noch ein Hatschiiiiii!

    Diese Quarantäne-Erfahrung ist für mich ein Fasten der ganz anderen Art. In mir steigt ein ziemlich ungewohntes Gefühl von geschenkter Zeit auf. Zugleich bin ich sehr dankbar, dass der Verlauf bisher so mild ist und hoffentlich keine Spätfolgen mit sich bringen wird. Und meine Gedanken wandern immer wieder in die Ukraine, zu Anna und den anderen jungen Menschen und allen vom Krieg Betroffenen. In unregelmäßigen Abständen meldet sich Anna, ihre letzte Nachricht war „Take care of you and your body!“ Tränen laufen mir übers Gesicht und ich frage mich, wer hier (auf wen) Acht geben soll.

    Der Krieg bleibt unfassbar für mich. Und meine Fragen werden von Tag zu Tag mehr – nicht nur in Richtung Russland, sondern auch in unsere Richtung, in meine Richtung, in Richtung der gesamten Erdenbewohner*innenschaft. Wann endlich findet ein Wandel statt – im Denken, im Handeln, im Großen, im Kleinen?

    Mit Rose Ausländer denke ich täglich (der Text wird hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht abgedruckt).

    Wann, ja wann?

    Wann denn endlich?

    Trotz allem oder gerade wegen allem möchte ich mich erst recht dem Leben zuwenden und mich auf die Suche nach #Lebenszeichen machen. Sehen, erfahren und spüren, dass neben all dem Unvorstellbaren und Furchtbarem auch Leben geschieht:

    Weitere Infos zum Projekt #Lebenszeichen gibt es hier:

    https://www.weiterblicken.com/lebenszeichen

    Wer noch miteinsteigen möchte – herzliche Einladung!

    Liebe Grüße von Balkonien – bleibt wohlauf, zuversichtlich und dem Leben verbunden!

    Judith

    Übrigens: Draußen nur Kännchen!

  • Pace e bene, Frieden und Heil!

    Teil der Berliner Mauer in Schengen/Luxembourg

    „Stell dir vor, du wachst morgens auf und es ist Krieg.“

    Was ich mir nie hätte vorstellen können, ist Wirklichkeit geworden: Krieg in Europa! Nicht einmal 80 Jahre hat der Frieden gewährt. Knapp eine Menschengeneration lang.

    Seit Tagen herrscht in mir ein Wirrwarr von Wut, Fassungslosigkeit, Ohnmacht, Tränen, Verzweiflung. Noch immer fehlen mir die Worte, um das zu beschreiben, was so unwirklich scheint. Und so ist diese lebens.verbunden-Post wohl eher ein Stottern und der Versuch, das zu fassen, was nicht zu fassen ist.

    Nachrichten gehen derzeit nur in Maßen. Die Bilder übersteigen mein Verstehen und Vorstellungsvermögen. Treffen mit Freunden und Reden hilft, um Gedanken zu teilen, Wut zu äußern, Ängste und Ohnmacht auszuhalten, zu beten, zu schweigen. Musizieren hilft, meinen Emotionen Ausdruck zu verleihen und das auszudrücken, wozu mir gerade die Worte fehlen. Und in meinem Kopf hallen Worte meiner Omi nach, die in ihren letzten Lebensjahren angefangen hat, von ihren Erfahrungen als Kriegskind zu erzählen: mehrmalige Flucht zu Verwandten und Bekannten, Nächte voller Angst in kalten Kellern, das Rollen von Panzern durch den Heimatort, ungewisse Begegnungen mit Soldaten, an der Front gefallene Familienmitglieder und Bekannte, ein zertrümmertes Zuhause nach Kriegsende. Nicht nur äußere Zerstörung, sondern noch viel mehr innere Verwundungen, Traumata.

    Und immer wieder hat sie uns Enkel*innen gesagt: „Hoffentlich müsst ihr nie einen Krieg erleben, bleibt einig!“ Und: „Mit Krieg ist kein Krieg zu gewinnen, es gibt nur Verlierer. Vergesst das nicht!“

    „Mit Krieg ist kein Krieg zu gewinnen.“ Ein Unmensch ist anderer Meinung – und stellt die ganze Welt mit seiner Ideologie im Wahn auf den Kopf. Und verschuldet Leid, unfassbar menschliches Leid. Für mich haben diese furchtbaren Bilder und Nachrichten aus der Ukraine in den vergangenen Tagen eine neue Dimension bekommen.

    Rückblick: Sommer 2005.

    Anlässlich der Tage der Begegnungen im Rahmen des Weltjugendtags in Köln sind knapp 50 junge Menschen aus der Ukraine zu Gast im Hochwald. Die jungen Frauen und Männer stammen aus der Region L’viv/ Lemberg und leben für eine Woche in Gastfamilien, zwei Männer und eine Frau nehmen wir bei uns auf.

    Eine Woche voller Begegnungen, gemeinsamem Essen, Feiern, Tanzen und Beten, dem gegenseitigen Kennenlernen der verschiedenen Kulturen, Ausflüge nach Trier und in die Nachbarländer Luxembourg und Frankreich im Herzen Europas. Trotz erheblicher Sprachbarrieren können wir uns verständigen, nicht nur sprichwörtlich mit Händen und Füßen. Verstehen uns, ohne die gleiche Sprache zu sprechen.

    Mit Ausbruch des Kriegs sind meine Gedanken bei diesen jungen Menschen und ich frage mich, wo sie sind, ob sie in Sicherheit sind oder gerade flüchten oder kämpfen müssen, wie es ihnen und ihren Familien geht. Nach Tagen finde ich endlich die Mailadresse von einer der jungen Frauen wieder und schreibe – und erhalte eine Antwort. Die junge Frau heißt Anna. Ihr und ihren Worten möchte ich in dieser lebens.verbunden-Post Raum geben.

    Anna schreibt:

    Dear Judith, of course I remember you! Your support and open heart means a world to me! I am right now in the US. My parent managed to get to Poland, staying at my friend’s house for now. My family, my friends, my husband’s family are all in Ukraine, in Kiev, Lviv, Ivano-Frankivsk. I am crying, it hurts so deeply I can not breathe. I don’t want to believe this is true. (….) Thank you so much for praying for Ukraine. My friends and I are praying the Chaplet of Divine Mercy every hour trying to guard Ukraine in our prayers. If you and your friends would like to join us each of you may pick a specific hour to be on guard every day and pray for peace, end of war today, protection for soldiers, people, cities and villages. (…) Thank you for you commitment to stay with Ukrainian people as long as necessary. It used to scare me that world might get used to what is happening, news cycle change, Ukrainian people might get left alone. But You give me hope! Thank you so much for this! I cant express enough how much your support means at this time! Please express my deep gratitude to all the people standing with Ukraine! Hugs, Anna

    Anna. Oleg. Julija. Aleksij.

    Vier junge Menschen, an die ich in diesen Tagen besonders denke. Vier junge Menschen, die stellvertretend für die vielen Ukrainer*innen stehen,die dieser grausame Krieg so unmittelbar trifft.

    Anna. Oleg. Julija. Aleksij.

    Vier junge Menschen meiner Generation, die mit mir auf luxemburgischem Boden von einem Europa ohne Grenzen, einem Europa in Frieden und Freiheit geträumt haben.

    Anna. Oleg. Julija. Aleksij.

    Vier junge Menschen, mit denen ich weiter unter dem Himmelszelt tiefblauer Hoffnung glauben und hoffen will, dass Krieg und Unmenschlichkeit nicht das letzte Wort haben, sondern das Frieden und Menschlichkeit siegen. Trotz allem.

    Pace e bene, Frieden und Heil;

    pax et bonum, peace and all good;

    pokoj i Dobro, Shuno hejua!

    (gesungen von den Kirchenmusiker*innen Region Hochwald in Ely 2005)

    SCHALOM!

    Judith

  • …Neujahrsschritte mit Winterfreuden!

    gewrg

    Der Januar ist vorbei und das neue Jahr ist nun schon mehr als einen Monat alt – nicht zu fassen! Rückblickend war der Januar gefühlt eine ziemlich grau-in-graue und durchaus nasse Angelegenheit. Dazu ein feiertagstrainierter innerer Schweinehund, der das Sofaleben am Feierabend durchaus in vollen Zügen zu genießen weiß und seiner Wintermüdigkeit freien Lauf lässt. Da kommt mir der Januar mit seinen 31 Tagen jedes Jahr wie eine gefühlte Ewigkeit und ein kleiner Marathon vor. Beim Umblättern des Kalenderblatts in Richtung Februar war ich dann aber doch sehr erstaunt darüber, wie schnell der erste Monat des neuen Jahres wieder ins Land gezogen ist. Und ich kann euch sagen: Jeder einzelne Tag bot so seine ganz eigenen Anlässe, mich zumindest einmal täglich innerlich in Richtung Schaukel zu bewegen und für einen Moment die Welt einfach mal auszuschalten. Zwischenfazit nach den ersten Wochen: der gute Jahresvorsatz muss definitiv erweitert werden! Und so lautet mein persönliches Jahresmotto:

    „Schaukeln, Wandern und Wundern!“

    Und spätestens heute bot die Sonne dann auch den Anlass, endlich die Zwischen-den-Videokonferenzen-Kaffeepausen-Saison auf Balkonien zu eröffnen und neue Schreiblust zu wecken. Der Blick auf meine Kamera hat mich soeben davon überzeugt, dass der Januar tatsächlich doch auch ein paar winterliche Schneetage und Sonnenmomente bereithielt.

    Und so folgt hier ein best of meiner ganz persönlichen WINTERFREUDEN in Wort und Bild:

    Schneewanderung…. Wenn es pünktlich zum Wochenende schneit, dann nichts wie raus und den Moment nutzen! Schon beim Anziehen der Wanderschuhe steigt die Vorfreude. Und wenn der Schnee bei jedem Schritt so herrlich unter den Füßen knirscht, wähnt frau sich schon fast in alpinen Gefilden und vergisst für einen Moment, dass sie „nur“ auf den Hochwaldhöhen rumstapft.

    Kalender füllen… Beim Übertragen der Termine in den neuen Kalender wächst die Vorfreude auf das, was das neue Jahr bereithält: Neben Höhenluft, Bergpanorama und steifen Meeresbrisen bin ich umso mehr gespannt auf das, was die noch weißen Flecken im Kalender an Überraschungen bereithalten werden!

    auf den Geschmack gekommen… Wie schmeckt der Winter? Gemäß dem Motto „Zu Gast bei Freunden“, „Unterwegs mit Freunden“ oder „Kochabend deluxe“ schmeckt mein Winter nach Orangenmarmelade, Grünkohl, Winter-Birne-Humus-Salat, Kakao und einer großen Portion von des Kaisers Schmarrn, mit Apfelmus natürlich!

    Neujahrsempfang… Mein persönlicher Favorit in diesem Jahr: Ein Neujahrsempfang in Form eines Ordentlich-viel-Tee-Kränzchens-mit-Einlagen, gemütlich auf der Küchenbank (seit Menschengedenken einfach der bequemste Ort im Haus, neben der Ofenbank natürlich), in europäisch verbundener Erdenbewohner* innenschaft. Auch frau wird älter….

    Winterwunderwanderstaunen…

    Variante A – für kleine und große Kinder: Sonntagswanderung nach drei Tagen Dauerregen, so dass der Matsch bis in die Kniekehlen spritzt -die nachhaltige Freude beginnt beim Schuheputzen!

    .

    Variante B – für abgehärtete Fortgeschrittene:

    Fünf Lagen Klamotten überziehen und bei Eiseskälte, Sonnenschein und Wind loswandern und die wunderschönen und einzigartigen Eiskristallzauber-wunderwelten bestaunen.

    Es werde Licht… Die Tage werden endlich endlich deutlich länger! Zumindest morgens tappen der innere und der äußere Wecker nicht mehr so ganz im Dunkeln, wenn es Zeit wird, aufzustehen. Und der innere Schweinehund bessert seine Laune am frühen Morgen fast täglich….es wird!

    .

    Leben feiern… Wenn Klein-Patenkind an einem ganz normalen Freitag der festen Überzeugung ist, dass zum Mittagessen unbedingt Servietten auf den Tisch gehören – egal, was der Rest vom Fest dazu sagt: Feiert das Leben! Jeden Tag.

    …. und ganz besonders dann, wenn sich spontan und unerwartet Besuch angekündigt hat und das Heimatstädtchen in Begleitung auch im Dauerniesel einfach schön ist.

    Darauf noch eine Waffel, bitte!

    Jauchzet, frohlocket… spürt Herzklopfen und tanzt innerlich! Drei Manuale, eine stufenlos verstellbare Orgelbank, ein volles Orchester an Registriermöglichkeiten, ein Raum mit extra viel Akkustik, dazu zwei Sänger – dieser jahresmusikalische Auftakt klingt nach mehr! (Heißt ja nicht umsonst Auftakt. ;)) Die „Stille Nacht“ wäre hiermit endgültig beendet. Das sahen die Herren Langlais und Dubois übrigens auch so.

    …. und was sind Deine persönlichen Winterfreuden?

    Vielleicht hast Du Lust, mir zu schreiben und Deine Winterfreuden zu teilen? Ich freue mich!

    Bleibt wohlauf und dem Leben verbunden –

    wandert und wundert und vergesst das Schaukeln nicht!

    Judith

  • ….los geht’s – das neue Jahr 2022 wartet!

    Ich hoffe, ihr habt frohmachende und schöne Weihnachtstage verbracht, die besondere Zeit zwischen den Jahren genossen und seid sanft im neuen Jahr 2022 angekommen. Was ein paar freie Tage doch beflügeln und neuen Aufwind schenken können! Fernab von Videokonferenzen und gefüllten E-Mail-Postfächern soll es doch tatsächlich auch noch ein ANDERES Leben geben (kaum zu glauben!) – und DAS habe ich in vollen Zügen genossen!

    Und wie? Na, ganz einfach:

    • gemütlich in den Tag hineinleben und mich treiben lassen ohne dass mein Kalender oder die Uhr den Tagesrhtyhmus bestimmen.
    • mich an so viel von Hand geschriebener Weihnachtspost erfreuen und die Zeilen mit Ruhe noch einmal lesen und nachklingen lassen.
    • ausgiebig die Zeit nutzen, um Briefe und Postkarten zu schreiben und somit die letzten Briefmarken aus dem alten Jahr aufzubrauchen.
    • mich mit lieben Menschen verabreden und nach langer Zeit ein Wiedersehen feiern und über das gemeinsame Waffelessen einfach mal die Zeit vergessen.
    • die wenigen Regenpausen nutzen, um draußen herumzuspazieren, frische Luft zu atmen und zu spüren, wie gut Bewegung nach dem feiertäglichen Essmarathon tut.

    …. der Franzose würde sagen: Savoir-vivre!

    Mein persönliches Highlight in diesen Tagen zwischen den Jahren: SCHAUKELN!

    Ja, es klingt vielleicht banal und auch ein bisschen verrückt, aber diese Viertelstunde auf der Schaukel fühlte sich an wie ein Mini-Urlaub – mit viel Schwung Anlauf nehmen, die Augen schließen, den Wind im Gesicht und in den Haaren spüren und einfach für einen Moment vom Alltag weltvergessen abheben!

    Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal auf einer Schaukel gesessen habe. In letzter Zeit besteht mein Job eher darin, mein Patenkind auf der Spielplatz-Schaukel anzuschaukeln und dem ziemlich bestimmten „Noch!Noch!“ aus dem kleinen Kindermund Folge zu leisten. „Noch!Noch!“ – so klang auch das kleine Kind in mir. Und ich habe verstanden.

    Also: „Noch!Noch!“ – weiten Freiraum unter den Füßen spüren und schon mit dem Schaukeln beginnen, bevor der Alltag mich einholt und die Gedanken im Köpfchen zu eng werden und sich im Kreis drehen.

    Mein Vorsatz für das neue Jahr?

    Definitiv mehr schaukeln, die Welt einfach mal ausschalten und regelmäßig vom Alltag abheben! 🙂

    … und dann gab es da nach so vielen regnerischen und grau-trüben Tagen doch noch unerwartet einen wunderschönen farbintensiven Sonnenuntergang am Neujahrsabend – wenn das mal nicht Zuversicht und Hoffnungsschimmer für das neue Jahr verheißt!

    In diesem Sinne wünsche ich Euch und all den Menschen, denen ihr Euch verbunden fühlt, alles Liebe und Gute für das neue Jahr 2022, viel Zuversicht und Vertrauen in das, was da kommen mag, Gesundheit und Seinen Segen und genügend weiten Raum unter euren Füßen, der Euch trägt und neue Möglichkeiten schafft!

    Bleibt wohlauf und dem Leben verbunden – und vergesst das Schaukeln nicht!

  • Gesegnete und hoffnungsfrohe Weihnachten!

    Ein weiteres so anderes Jahr neigt sich langsam seinem Ende zu – und der Nachmittag des Heiligen Abend lädt nach dem Wohnungsputz dazu ein, nun auch langsam innerlich zur Ruhe zu kommen und den eigenen Gedanken noch ein wenig nachzuhängen. Dass wir nun ein zweites Weihnachtsfest unter diesen Pandemiebedingungen feiern, fühlt sich für mich immer noch ein wenig seltsam an. In diesen letzten Tagen des zu Ende gehenden Jahres fühle ich mich manchmal einfach (pandemie-)müde und kraftlos, wünsche mir mehr Normalität und Gelassenheit zurück, sehne mich nach einem Alltag ohne Videokonferenzen, mit unbeschwertem Musizieren und geselligen Treffen. Zugleich spüre ich immer mehr, dass ein „Zurück zum alten Gewohnten“ an vielen Punkten einfach nicht mehr geht, dass es überall Wandlung und Veränderung braucht – auch bei mir und in mir selbst. Und vielleicht ist gerade das die eigentliche Aufgabe und größte Herausforderung des Lebens:

    “…wandernd sich wandeln und immer wieder ausziehen, um die Heimat zu finden, die mehr ist als ein Zelt am Pilgerweg.”

    Karl Rahner

    In Bergwochen und im gemeinsamen Unterwegssein darf ich diese wandernde Wandlung ansatzweise erfahren und ahne leise, was alles möglich sein kann; was in mir drin in Bewegung kommt, wenn ich einfach loslaufe; welch innere Freiheit ich spüre – und dass meine Füße mich manches Mal weitertragen als ich denke. Dankbar bin ich für diese pilgernden Auszeiten, die in diesem Jahr trotz allem möglich waren und mich u.a. in die Schweizer und Montafoner Bergwelt geführt haben. Mindestens ebenso dankbar bin ich für Freundschaften, für die Begegnungen im zurückliegenden Jahr, für Telefonate und Musikstunden, für Briefe und Karten, die in diesen anderen Zeiten ermutigen (und in der zurückliegenden Woche Tag für Tag meinen Briefkasten bis an den Rand gefüllt haben :)), das Herz erfreuen und Halt geben, die von Hoffnung und (Lebens)Verbundenheit erzählen, diese teilen und erfahrbar werden lassen. MERCI dafür!

    Meinen persönlichen Weihnachtsmoment habe ich Mitte der Woche bei einem Morgenspaziergang vor und mit dem Sonnenaufgang erfahren. Die Wintersonnenwende ist vorüber, der kürzeste Tag des Jahres geschafft und der Winter hat mich eisig kalt begrüßt. Die Stille des Morgens, das wunderbare Farbenspiel am Himmel und das Staunen über den Sonnenaufgang, der sich ganz langsam seinen Weg über den Hügel bahnt, haben in mir eine leise Ahnung dessen wachsen lassen, was die Weihnachtsbotschaft verheißt: Hoffnung, Frieden und Leben.

    Dankbar bin ich auch für die vielen Rückmeldungen zu lebens.verbunden, die mir neuen Aufwind geschenkt haben und in meinem Kopf neue Ideen sprudeln lassen. Und für die Wegbegleiter*innen, die bei den Wanderungen so viel Geduld mit mir hatten, wenn ich alle zwei Meter stehen bleiben musste, um noch ein Bild zu machen.

    In den vergangenen Wochen haben unzählig viele Brieftauben Kalender durch halb Deutschland geflogen. Durch die Kalender-Benefizaktion sind bis heute mehr als 2.000 Euro zusammengekommen – ein herzliches Damkeschön an alle, die dies ermöglicht haben!

    Und so verabschiede ich mich nun in ein paar stille Tage und wünsche Euch gesegnete Schritte in die Heilige Nacht hinein:

  • Der Advent ist da!

    Pünktlich zum ersten Adventswochenende hat Petrus die Höhenzüge des Hochwalds in ein zartes weißes Kleid gehüllt – welch eine Überraschung! Und was läge da näher, als den Advent mit einem ausgiebigen Spaziergang an der frischen Luft zu begrüßen? Also – warm einpacken, Wanderschuhe schnüren, Kamera schnappen und nichts wie raus!

    Ich kann Euch sagen – der Hochwald zeigt sich in seinem winterlichen Kleid noch einmal von einer besonderen Seite!

    Ja, ich gebe zu: Schnee in der Advents- und Weihnachtszeit hat den Charme von Postkartenkitsch, erzgebirgischer Seiffen-Oper und überladener Heimeligkeit. Aber gerade in diesem Jahr spüre ich, wie sehr mich diese weiße Pracht erfreut und meine Seele aufatmen lässt. Der Schnee liegt wie eine wärmende Decke über allem; Stille, Unberührtheit und ein sanfter Frieden gehen von ihm aus.

    Es tut gut, an diesem Adventsmorgen die Welt einmal auszuschalten und nur diese Stille und den leisen Frieden, der von der Natur ausgeht, zu genießen und in mir aufzunehmen; den Bildern aus den Nachrichten dieser Tage und der vergangenen Monate einen Morgen lang keinen Raum in meinem Kopf zu geben. Einfach tief durchzuatmen, die Kälte im Gesicht zu spüren und gedankenverloren durch den Schnee zu stapfen.

    Und im Gehen der leisen Ahnung und Sehnsucht in mir Raum zu geben, dass es werde; dass Veränderungen möglich sind, dass der Frieden doch das letzte Wort haben wird. Trotz allem. Oder gerade wegen allem.

    Und hier einige Impressionen von den schneebedeckten Hochwaldhöhen:

    Ich wünsche dir gesegnete Schritte durch den Advent – bleib‘ wohlauf und dem Leben verbunden!

  • Das schmeckt nach Mee(h)r!

    Fünf Tage Auszeit unter Segeln an Bord der Tijdgeest – das schmeckt definitiv nach Mee(h)r!

    Bei ordentlich Windstärke unterwegs – nur Fliegen ist schöner! 🙂

    …. und dann muss man ja auch noch Zeit haben,

    einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen,

    den Wind im Gesicht zu spüren und die Gedanken auf Reisen zu schicken,

    den Blick über die Weite des Meeres ziehen zu lassen und das Rauschen der Wellen zu hören,

    tief durchzuatmen, die inneren Knoten zu lösen und Freiraum zu spüren,

    zu träumen, zu schweigen, zu danken,

    lebensverbunden im Hier und Jetzt zu sein.